GemeindeGeschichte

Poxdorf auf dem Jura

20 km östlich von Bamberg auf dem Gebirg, wie es früher hieß, 500m hoch gelegen, in einer nach Süden offenen Mulde (Pockendorfer Mulde lt. einer alten Chronik), liegt unsere Ortschaft Poxdorf. Kirchlich zur Pfarrei Königsfeld gehörend, war Poxdorf bis 1971 eine selbstständige Gemeinde. Freiwillig schloß man sich mit den Gemeinden Huppendorf und Treunitz sowie der Ortschaft Voitmannsdorf zur größeren Gemeinde Königsfeld zusammen.
 
Die Entstehungsgeschichte reicht weit in das Dunkel der Vorzeit zurück. Zwei Hügelgräber weisen auf eine sehr frühe Besiedlung hin, was auch noch eine Steinmauer mit Grotte unterhalb vom Kulm belegt. Mit der Besiedlung unserer Heimat, durch Slawen und anderen Stämmen, wurden auch die Ansiedlungen, die bestanden haben, mit einem Namen versehen. Der Ortsname „Poxdorf“ ist nicht einfach zu erklären, weil der Name slawischen Ursprunges, aber auch frühmittelalterlich sein kann. Früher gehörte Poxdorf und fast das gesamte Oberfranken bis 1007 zum Bistum Würzburg, welches 741/42 gegründet wurde.
Von Würzburg aus wurde auch die Christianisierung voran getrieben und im Auftrag von Karl dem Großen wurden im Slawengebiet, zwischen Main und Regnitz, 14 sogenannte Slawenkirchen erbaut. Auch die erste Königsfelder Kirche gehörte dazu. Der Würzburger Bischof hatte noch bis ins 17. Jahrhundert hinein das Recht, den Pfarrer von Königsfeld zu benennen. Im Jahre 1007 gründete Kaiser Heinrich (973-1024) das Bistum Bamberg, aus dem östlichen Teil des Würzburger Bistums. Erstmals im Jahre 1308 taucht der Name Poxdorf in einer Urkunde auf, aus der folgendes zu entnehmen ist:
Ein Amtmann, im Dienste von Otto I. von Aufseß, hatte vom Grafen Friedrich IV noch 54 Pfund Heller zu bekommen. Der Graf konnte den Betrag aber nicht aufbringen, weshalb er 1308 das Dorf Poxdorf, samt Einkünften an den Amtmann verpfändete. Auch die adeligen Herren von Königsfeld, hatten Eigenbesitz in Poxdorf, denn aus einer Urkunde von 1367 geht hervor, daß der Älteste des Geschlechts, immer ein Gütlein in Poxdorf innehat.
 
Um 1390 gelangen auch die Herren von Giech zu Besitz in Poxdorf. Von 1400-1700 sind derzeit keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Besitzverhältnisse im Ort auffindbar. Dennoch gibt es aus diesen Jahren von einigen, wenn auch überregionalen, Ereignissen aus kultureller und religiöser Sicht zu berichten. Erwähnenswert ist der kriegerische Einfall der Hussiten aus Böhmen im Jahr 1430, sowie die Reformation und Luthers neue Lehre, welche 1517 durchs Land zog. Für die Adeligen und Burgbesitzer gab es im Bauernkrieg 1524-1525 nichts zu lachen, denn es wurden zahlreiche Burgen ein Raub der Flammen. Nach einigen Jahren der Ruhe, brach 1618 der 30jährige Krieg aus. Die Ursachen dafür waren religiöse Gegensätze zwischen Katholiken und Protestanten. Mit all diesen Kriegen, zogen auch Pest und Hungersnöte durchs Land. Nach diesen Auseinandersetzungen und Notzeiten taucht Poxdorf in einer Urkunde der Förtsche von Thurnau von 1700 auf, danach haben die Förtsche folgenden Besitz in Poxdorf: einen ½ Zehnt mit ca. 26 Simra Getreide und 2 Hölzlein. Das ruhige und friedliche Leben der letzten 50 Jahre wurde durch den 7jährigen Krieg um 1756-1763 jäh unterbrochen.
Danach hatten um 1800 noch mehrere Weltliche und geistliche Machthaber Besitz in Poxdorf. So z. B. die Grafen von Giech, das Rittergut Schönfeld, das Domkapitel und das Kloster hl. Grab in Bamberg. 1806 erfolgte die Gündung des Königreichs Bayern, wozu auch Poxdorf gehörte.
Im Jahre 1808 wurde die gesetzliche Aufhebung der Leibeigenschaft angeordnet. Es zog sich jedoch noch bis 1848 hin, bis sich die Bauern als Eigentümer des bis jetzt bewirtschafteten Bodens nennen konnten.
 
Größenmäßig hat sich Poxorf in den letzten 165 Jahren kaum verändert:
am 30.06.1829:           36 Häuser - 190 Einwohner
am 03.01.1995:           37 Häuser - 145 Einwohner
am 31.12.2008:           40 Häuser – 156 Einwohner
Wesentlich geändert hat sich, wie überall, das Einkommen in den Dörfern. Bis 1969 hatten alle Hausbesitzer ihren Haupterwerb aus der Landwirtschaft, mit Getreide-, Vieh- und Milchproduktion. Heute kann man die Vollerwerbslandwirte an einer Hand abzählen. Zur Arbeitsstelle pendeln die Erwerbstätigen in der Hauptsache nach Bamberg und Scheßlitz. Die Felder werden meist im Nebenerwerb bewirtschaftet. Auch zahlreiche Handwerker waren ansässig; vor der Jahrhundertwende mehrere Weber (z.B. auf H. Nr. 16/25/34). Aus jüngerer Zeit sind bekannt: Schuster auf Haus Nr. 29/22/11/39, Zimmermeister Nr. 32, Wagner Nr. 22/13, Schmiede Nr. 35/22, Mechaniker Nr.21 und Brauer Nr. 1. Der letzte Betrieb wurde 1993 bei der Handwerkskammer abgemeldet.
 
Das kulturelle Leben liegt in den Händen der Feuerwehr und dem seit 5 Jahren bestehenden Stammtisch „Jura Freunde Poxdorf“. Für Versammlungen und Veranstaltungen stehen eine Gastwirtschaft und der ehemalige Schulsaal zur Verfügung. Früher hatte Poxdorf auch einen Männergesangverein, einen Gartenbauverein und eine eigene Volksbücherei.
Nachfolgend, zum besseren Überblick, werden besondere Ereignisse im Telegrammstil aufgeführt.
 
1828 Poxdorf hat 196 Einwohner und ein Wirtshaus
1829 In Poxdorf und Treunitz wird Winterschule abgehalten. Erreicht
         sind schon die Grundlagen für eine ständige Schule in diesen
         Ortschaften.
1841 Für den Lehrer wird eine Wohnung gesucht
1863 Adam Stadter plant eine Feldkapelle am Weg nach Königsfeld
1905 Feldkreuz-Einweihung am Kaiweg (Kirchenweg) von Brehm 6
1908 Gemeindliche Anschaffung eines Steinbrechers (Steinquetsche)
         zur Unterhaltung des Wegenetzes, bis zum Beginn der Flurbereini-
         gung. Auch eingesetzt in der näheren- und weiteren Umgebung
1906 Beginn der Planung für einen Kapellenbau
1921 18. September Kapelle durch Pfarrer Weidner geweiht
1926 Elektrisches Licht in der Ortschaft (vorher schon von H. Nr. 6 für
         einige Häuser erzeugt
1928 Erster Schlepper und Bindemäher in Poxdorf (Brehm 6)
1936 Öffentlicher Fernsprecher eingerichtet (Dorsch 1)
1944 Flugzeugabsturz - Ortschaft haarscharf an Katastrophe vorbei
1945 14. April Amerikaner vormittags in Poxdorf, einige Einschüße,
         kein größerer Widerstand
1952 Erste Mietwagen- und Krankenfahrten durch Josef Dorsch Nr. 1
1954 Im Januar Amerikaner für Ortschaft Wasser gefahren; Wieder mal
         Wassernot.Transport von außwärts mit Gespannen wegen Schnee                                                       
         und Frost sehr schwierig.
1955 Poxdorf hat als einzige Gemeinde im Lkr. Ebermannstadt eine
        Außenstelle der Volkshochschule mit festumrissenen Aufgaben
        (Besteht heute noch und bietet Veranstaltungen an)
1957 Bau der Wasserleitung „Poxdorfer Gruppe“. Seit jahrhunderten
         bestehende Wassernot wird endlich behoben
1958 Dorfhüll zugeschüttet - Kanalisation - Ortsstraßen geteert
1959 Poxdorf Kreissieger „Das schönere Dorf“
1960 Wirtschaftsweg „Loogäcker“ nach Laibarös übergeben
         (Bgm. Hans Brehm Nr. 6)
1960 letzter öffentlicher Kirchweihtanz in Poxdorf
1962 Bau einer Gemeinschafts-Gefrieranlage mit 18 Truhen und
         Kühlraum (heute noch in Betrieb)
1965 Gasthaus „Klingender Amboß“ geschlossen (1948 eröffnet)
1968 Straßeneinweihung nach Ludwag (Bgm. Emil Nüßlein)
1969 Die ersten Bauern stellen die Milcherzeugung ein
1969 Peter Dorsch wird zum Pfarrgemeinderatsvorsitzenden der
         Pfarrei Königsfeld gewählt
1969 Dreschgenossenschaft aufgelöst - Maschinen und Geräte wurden
         versteigert
1971 Gemeindezusammenschluß mit Königsfeld
1972 Josef Dorsch Nr.1 wird als erster Poxdorfer in den Kreistag
         von Bamberg gewählt
 
1972 Schulbetrieb in Poxdorf wird eingestellt (5. Klasse unter
         Fr. Gareis). Bis in den 60er Jahren war die Schule 8 klassig
1974 Beginn der Flurbereinigung
1975 Schulsaal wird als Ausweichraum nochmals genutzt wegen
         Renovierungsarbeiten in Königsfeld (Lehrer Schindler)
1978 Gemeinde Königsfeld zur Verwaltungsgemeinschaft Steinfeld mit
         Stadelhofen und Wattendorf zusammengeschlossen
1978-1980 Bau der Gemeindeverbindungsstraße Königsfeld-Poxdorf
                 durch Gemeinde und Flurbereinigung (Bgm. J. Grasser und
                 J. Stadter)
1979 erstemal Osterbrunnen geschmückt (alter Dorfbrunnen)
1980 „Der Sämann“ -großflächiges Bild am östlichen Ortseingang von
        Wendelin Kusche auf Giebelseite der Aussegnungshalle gemalt
1981 Auflösung der „Dämpfgemeinschaft Poxdorf“ - Maschinen und
        Geräte wurden an meistbietende verkauft
1985 Vorläufige Besitzeinweisung im Rahmen der Flurbereinigung
1987 Ein Eisregen richtet große Schäden in den Wäldern an
1987 Zum Ende des Jahres schließt die Gemischtwarenhandlung Nüßlein
         Nr. 21 (bestand seit 01.04.1927)
1988 Feldkreuzeinweihung am Waldweg zum Eppental
1989 Gemeindeverbindungsstraße Königsfeld-Poxdorf-Ludwag
         zur Kreisstraße BA 51 aufgestuft
1990 Albert Dippold Nr. 24 wird zum 1. Bürgermeister der Gemeinde
         Königsfeld gewählt
1990 Stammtisch „Jura Freunde Poxdorf“ gegründet
1993 31. Mai: Kinderspielplatz-Einweihung
1994 31. März: Nach 44jähriger Dienstzeit von Josef Dorsch Nr. 1 wird
         die Poststelle II mit eigenem Zustellbereich geschlossen
1995 24.Mai- bis 28.Mai. 120-jähriges Gründungsfest der FF Poxdorf mit Fahnenweihe
2000 10-jähriges Gründungsjubiläum des Stammtisch Jura Freunde Poxdorf
2006 Baubeginn Forstweg durch die „Höh“, Höhenweg.
2006 Beendigung der Nutzung der Gemeinschaftsgefrieranlage
2007 Endgültige Auflösung der Genossenschaft Milchsammelstelle in Poxdorf, nachdem das Milchhäuschen vorher schon einige Jahre nicht mehr genutzt wurde
2008 Beginn der Planung für die Erneuerung der Ortsdurchfahrt von Ludwag nach Königsfeld mit der Durchführung eines vereinfachten Dorferneuerungsverfahrens.